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Kulturschaffende sind keine Gurkentruppe

Keiner wird gern der Lächerlichkeit preisgegeben. Auch Kulturschaffende nicht. Wir sind keine Gurkentruppe, der man nebenbei eine Handvoll Zuckerstücke hinwerfen kann. Wahrscheinlich braucht es den Corona-Shutdown, damit uns das wieder mal so richtig auffällt.

Kulturschaffende finden in den einschlägigen Pressekonferenzen (das Volk lechzt nach Lockerungen!) keine Erwähnung. Nur in Nullform: Theater, Kinos – bleibt alles geschlossen. In Bayern müssen die Buchhandlungen sogar eine Woche länger warten, bis sie wieder öffnen dürfen. Dabei ist dort die Abstandsregel wahrscheinlich leichter einzuhalten als in dem Lädchen, das quasi nur aus einem einen Meter breiten Gang besteht und Tee verkauft.

Weil wir im Diskurs nicht vorkommen, weil uns das Geld ausgeht und weil wir keine Perspektive sehen (Großveranstaltungen bleiben bis Ende August verboten – was bedeutet „groß“? 20, 50, 100, 1000 Leute?), stürzen sich viele Kolleginnen und Kollegen in die Eigenproduktion im Internet. Manche Aktion ist cool und witzig, andere eher bemüht und an der Grenze zur Peinlichkeit. Wie auch kann ein Kulturmensch ohne institutionelle, finanzielle und technische Hilfe eine stimmungsvolle Onlinelesung, einen professionellen Podcast oder ein starkes Konzert senden? Mal so „aus dem Ärmel“? Dazu braucht es wiederum Zeit und Mittel – vornehmlich finanzieller Art zumindest für ein vernünftiges Mikrofon und eine passende Kamera, ganz zu schweigen vom nebengeräuschfreien Studio, aber das Geld fehlt uns. Wir wollen ja auch noch essen. Miete zahlen. Mensch bleiben.

Versteht mich nicht falsch – Gesundheit ist ein hohes Gut, niemand von uns hat vor, während einer Lesung oder Bühnenvorstellung zur Virenschleuder zu werden. Aber, mal ehrlich: Wenn interessierte denn die Gesundheit, wenn es um Themen wie Klimawandel, Luftverschmutzung oder Lärmbelastung ging? Eben – nur die Betroffenen. Weil im Hintergrund kein Klinikbettenkollaps drohte, auf den die Politiker nun schielen wie das Kaninchen auf die Schlange.

Klar, den Kollaps will niemand. Aber Erwähnung finden, beachtet werden, Aufmerksamkeit nicht immer erkämpfen, sondern mal ausnahmsweise „von selbst“ bekommen (Stichwort „systemrelevant“): das steht Kulturschaffenden zu. Warum die Volksgesundheit im Gartencenter weniger Schaden nimmt als in einem Konzert oder in einer Kirche – erklärt uns das! Gute Begründungen tun manchmal gut. Offenheit für Verbesserungen auch. In guten wie in schlechten Zeiten, im Corona-Shutdown und nachher. Falls wir „nachher“ noch am Start sind. Wobei wir Kulturleute uns durch ein starkes Durchhaltevermögen auszeichnen.

Aber schmeißt uns nicht ein paar Stücke Zucker hin.

Zucker ist eh ungesund.

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